Montag, 24. März 2008

Ostern - Auferweckung // Tibet – Aufstand // Christen - Politik?

Ich habe Ostern dieses Jahr nicht so besonders gut feiern können. Die Gleichzeitigkeit von Ostern und der Situation in Tibet hat mich sehr umgetrieben ... v.a. hat mir das Zusammentreffen dieser beiden Situationen eine Frage beschert, an der ich immer wieder vorbei komme: Sollten Christen sich politisch engagieren?

Ostern? An Ostern feiern Christen weltweit Tod und Auferweckung Jesu Christi. Der Tod Jesu wird gemeinhin als stellvertretendes Opfer des schuldlosen Menschen- und Gottessohnes zur Vergebung unserer Schuld interpretiert. Die Auferstehung als Überwindung des Todes an sich und gleichzeitig Verheißung eines ewigen Lebens für die Gläubigen. Absoluter Kernbestand des christlichen Glaubens. Kein Wunder ist Ostern DER Feiertag der Christen.

Tibet? Das tibetische Volk wird seit Jahrzehnten von China unterdrückt, sein Land besetzt und seine Jahrtausende alte Kultur nach und nach gezielt zerstört. Vor unseren Augen bzw. obwohl die Weltöffentlichkeit nach der fast kompletten Abschottung Tibets noch einiges über das Vorgehen Chinas erfährt, erobert ein diktatorisches, raffgieriges und vor Waffengewalt strotzendes Land ein anderes Land, dessen höchster Vertreter sich aus religiösen Gründen zur vollkommenen Gewaltlosigkeit bekennt.

Ich und Tibet? Das Schicksal Tibets bewegt mich. Ich war bereits mehrfach in Asien und habe die Menschen dort als sehr fröhlich, freundlich und friedlich erlebt. Ich liebe den Himalaya und Melli und ich träumen seit längerem davon, einmal nach Nepal oder sogar Tibet zu reisen. Und dann kommt China und provoziert das tibetische Volk so lange (Info hier und hier), bis einzelne und dann immer mehr Tibeter gewaltsam werden … den Rest kennen wir aus den Nachrichten.

Christen? Das Christsein, das mir aus meiner Biographie und meinem bisherigen Umfeld besonders bekannt ist, beschäftigt sich stark mit der Erlösung des Einzelnen; also der Frage, wie ein einzelner Mensch eine Beziehung zu Gott haben kann, obwohl er schuldbehaftet ist und wie er ein ewiges Leben bei Gott haben kann (also den Qualen einer befürchteten Hölle entgehen kann). Die persönliche Ethik steht hoch im Kurs.

Politik? Politik wird oft als ein Bereich angesehen, für den Christen nicht zuständig sind. Die sinnvolle Trennung von Kirche und Staat wird dabei nicht selten mit einer Trennung von persönlichem Christsein und „der bösen Welt“ gleich gesetzt. Für den Glauben ist man zuständig, aber die Politik ist nicht das Ding der Christen.

Das denke ich nicht mehr. Wenn wir mit dem Vater Unser darum beten, dass Gottes Reich kommen möge, dann ist damit mehr gemeint, als das persönliche Heil einer gewissen Anzahl von Menschen, sondern die Veränderung der Verhältnisse im Sinne Gottes. Wir leben in ungerechten Verhältnissen und wir fördern sie durch unser Verhalten (z.B. Einkaufen). Wir wissen um die nachhaltige Zerstörung der Schöpfung und fördern sie. Wir wissen um die Situation in Tibet und …

Auferstehung/ Aufstand? Gemeinhin wird Jesus als nicht besonders politisch angesehen. Er ist in den Augen vieler nur für die Religion zuständig. Allerdings: Religion und Politik hingen zu seiner (und der alttestamentlichen) Zeit sehr eng zusammen. Wenn Jesus die Steinigung einer Ehebrecherin mit ethisch-religiösen Argumenten verhindert, steht er damit für die Abschaffung der Todesstrafe ein. Wenn er einen Steuerhinterzieher zu einem Helfer der Armen macht, steht er für Gerechtigkeit ein. Die Bergpredigt ist zwar kein politisches Programm, aber einer Politik ohne die Bergpredigt fehlt etwas.

Ich denke, dass wir als Christen dann glaubwürdig sind, wenn wir uns auch politisch engagieren. Und wenn wir mit dem Vater unser für die Veränderung der Verhältnisse beten, dann müssen wir uns auch dafür einsetzen. Jemand anderes als uns hat Gott dafür nicht!

Infos über Tibet gibt es hier. Eine Möglichkeit die Stimme zu erheben hier.

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