Mittwoch, 14. Mai 2008

Israel und der Konflikt im Nahen Osten werden 60

Als Teeny war ich ein linksbewegter Jungspund, der mit Palästinensertuch auf Friedensdemos ging – klar gegen die USA und naja, zumindest nicht Israelfreundlich. Als charismatisch orientierter Theologiestudent war ich begeistert davon, dass mit der Entstehung des Staates Israel einige biblische Verheißungen wahr geworden sind und betrachtete das als Beginn der heißen Phase der Endzeit.

Heute lese ich meine Zeitung und stelle fest, dass beide Haltungen Schrott sind. Gerne hätte ich einfache Antworten auf beklemmende Probleme. Denke manchmal es wäre gut, wenn jemand einfach draufhaut und klare Verhältnisse schafft.
Aber irgendwie scheint es so zu sein, dass das Leben mich mit seiner Komplexität nicht einfach ärgern will. Sondern es verlangt von mir, dass ich es bewusst angehe und aufmerksam lebe – im Großen wie im Kleinen. Oft nervt mich diese Überkomplexität, die mir da ins Haus steht. Vereinfachungen nerven mich auch.

Also: Herzlichen Glückwunsch an das jüdische Volk! Und die Forderung, den ehemaligen Bewohnern ihres Landes auch einen eigenen Staat zu ermöglichen – und zwar einen gescheiten, den sie dann auch irgendwann feiern können – aber nicht erst in 60 Jahren.

Montag, 12. Mai 2008

Mit 100 Euro die Welt retten?

Gestern im Gottesdienst wurde ein indischer Pastor gefragt, was er machen würde, wenn er 100 Euro geschenkt bekäme. Ich dachte: Was für eine alberne Frage. Mit 100 Euro kann man ja fast nichts machen.
Dann zählte er drei Dinge auf, die sie in ihrem indischen Hilfswerk mit 100 Euro machen könnten. Sie könnten davon 1. einen Tag einer Wochenendfreizeit bezahlen, die sie regelmäßig 80-100 Teenagern ermöglichen, die so etwas sonst nie erleben 2. einem Kind ein Jahr lang die Schule bezahlen oder 3. einer an Aids erkrankten Frau, der sie aktuell helfen, das Essen für ein Jahr bezahlen. Tja …

Samstag, 10. Mai 2008

Downloads Christival Seminar

Hallo liebe Teilnehmende an meinem Christival-Seminar "Wie wir in Zukunft Jugendarbeit machen (müsen)". Hier ist nun endlich der Download für das Skript und die PPT. Einfach dem link folgen und und los geht-s.

Donnerstag, 8. Mai 2008

Das war der Kirche21 Thinktank

Ist schon ein paar Tage her jetzt der Thinktank, weswegen es höchste Zeit wird, endlich ein paar Einblicke in das zu geben, was am 29.04. in der Jugendkirche Hannover los gewesen ist.

Beim ersten Treffen des Leitungsteam für 2009 haben wir beschlossen, dass es für die Vorbereitung des K21 Events und die weitere inhaltliche Ausrichtung von K21 einen Thinktank geben soll, in dem die Freiheit besteht, alles zu denken und zu sagen, was für K21 relevant sein könnte. Dazu haben wir ergänzend zum Leitungsteam noch ca. 10 weitere Leute eingeladen. In der Woche davor hagelte es leider noch ne Menge Absagen, aber das schmälerte die Diskussionsfreude nicht. Wir waren 8 Leute und haben massenhaft interessante Themen angeschnitten. Hier eine Sammlung von Fragen/ Themen, mit denen wir uns beschäftigt haben:

Was würde theologisch passieren, wenn man den Gedanken, dass Gott ein unendlich liebender Gott ist, konsequent zu Ende denkt? Sind Themen wie Hölle und Sünde dann neu zu bewerten? Wie kann das System von Gericht und Bestrafung/Belohnung anders gedacht werden?

Wie kommen wir von einer Fokussierung auf die Erlösung des Einzelnen zu einer Perspektive des Reiches Gottes, die auf die Erlösung der Welt zielt?

Wie muss die Fokussierung auf einen individualisierten Sündenbegriff um die Tatsache struktureller/ politischer Sünde erweitert werden?

Wie lassen sich theologische Weite und eine klare Identität zusammen denken?

Was heißt das konkret „Bei Gott eintauchen und bei den Menschen auftauchen“?

Wie wird Christsein authentisch? Dadurch, dass man tut, was man sagt, oder dadurch, dass man suchend und tastend und auch verfehlend versucht, Jesus nachzufolgen?

Wie weit muss sich (missionales) Christsein auf die Kultur einlassen und wo muss es sich bewusst gegen die Kultur stellen?

Was bedeutet es, dass wir jemanden nachfolgen, der „sich inkarniert hat“. Also als Mensch aus Fleisch und Blut mitten auf dieser Erde lebte.

Wie kann man eine „sexfriendly church“ schaffen?

Worauf zielt Mission – Conversion or Conversation?

Wo verlaufen die Grenzen zwischen Christ und Nichtchrist – haben diese Grenzen Auswirkungen auf die Gestaltung der Gemeinschaft? Wie kann man eine nicht ausgrenzende Gemeinschaft schaffen?

Wie sieht ein spiritueller Alltag aus? „Everything is spiritual!“ – was bedeutet das?

Gibt es einen berechtigten und relevanten Unterschied zwischen dem Jesus der Evangelien und dem der Briefe?

Es ist unmöglich, die einzelnen Diskussionen hier darzustellen, aber diese Fragen sollen schon mal als Anregung dienen.
Wir fanden es sehr gut, diesen Tag und den freien Raum zur Diskussion zu haben und möchten das unbedingt wiederholen. Außerdem gehen Gedanken in die Richtung einer lokalen Vernetzung von Leuten, die an solchen Debatten interessiert sind. Cool war außerdem, dass Daniel Ehniss von emergent-deutschland dabei war und wir festgestellt haben, dass wir an ähnlichen Fragen dran sind … mal sehen, ob da in Zukunft was zusammen geht.

Was auf jeden Fall weiter geht, ist der Dialog … bitte mitmachen !

Mittwoch, 7. Mai 2008

In der EKD wird die Erwachsenentaufe trendy

Wer hätte das gedacht? In der Evangelischen Kirche lassen sich immer mehr Menschen als Erwachsene taufen. Und: Immer mehr Erwachsene lassen ihre Kinder nach der Geburt „nur“ segnen, anstatt sie taufen zu lassen. Ein spannendes Zeichen dafür, dass die konfessionelle Landschaft weiterhin dreifach in Bewegung ist:
1. Aufeinander zu
2. Durcheinander sich vermischend und Grenzen abbauend (sehr viele kennen und verstehen die Grenzen sowieso nicht!)
3. Immer noch abgrenzend

Letztes Jahr wurde die Magdeburger Erklärung zur gegenseitigen Taufanerkennung von 12 evangelischen Kirchen ohne die Baptisten unterschrieben. Mal sehen, was in dieser Frage noch alles passiert. Ich halte es für theologisch interessant, dass sich zum einen die Baptisten damit beschäftigen, die Aufnahme von als Kind getauften Christen in ihre Gemeinden zu vereinfachen und die EKD merkt, dass die Überzeugungskraft des Modells Kindertaufe nachlässt. Vielleicht liegt die Wahrheit auch einfach in der Mitte oder da, wo Taufe geschieht: An einem konkreten Ort in einer konkreten Gemeinschaft!?

Ein paar Zahlen zum neuen evangelischen Trend:
Taufen 2006: 189.385 Kinder, 23.692 Erwachsene Taufen gehen stärker zurück als die Bevölkerung: Taufen: - 30 %, Geburten: -27,2 %
Erwachsenentaufen sind im Osten eher angesagt, als im Westen: 8,9 % Westen, 18,9 % Osten (Zahlen von 2003).

Quellen/ Kommentare: Die EKD Nachricht, die Idea-Nachricht, Orientierungshilfe der EKD

Dienstag, 6. Mai 2008

Christival Nachlese // Seminar: Wie wir in Zukunft Jugendarbeit machen (müssen)

Allmählich bin ich wieder etwas wach, versuche in den Alltag reinzufinden und blicke leicht wehmütig zurück.

Das Christival war ein wirklich schönes, fröhliches, sonniges Glaubensfestival. Die knappen 2,5 Tage, die ich da war, habe ich genossen. Habe mir ein paar Leckerbissen aus dem Programm gepickt und ansonsten mit vielen Leuten hier und da gequatscht.
Bin mal gespannt, was man in einem Jahr sagen wird. War es eine prägende Veranstaltung, sind wichtige Impulse davon ausgegangen, oder werden sich alle an die Debatten davor und die Gegendemos erinnern? Was für mich bleibt, ist ein lebendiges tolles Fest. Ob tiefer gehende Impulse bleiben, könnte ich nur dann sagen, wenn ich komplett und intensiver dabei gewesen wäre.
Habe allerdings festgestellt, dass mir zwei Sachen gefehlt haben: Ein Programm, dass speziell auf Junge und Ältere Erwachsene ausgerichtet ist und ein bewusstes Herangehen an kontroverse Themen. Da hatte ich beim überfliegen der Seminartitel eher den Eindruck, dass weniger die Kontroverse als eine klare Antwort gesucht wurde.
Wer mal sehen will, wie Teile der Presse über das Christival denken kann z.B. mal bei der TAZ, dem Weser-Kurier oder beim Spiegel reinschauen. Hier (nochmal TAZ) wurde auch ordentlich diskutiert.

Mein Seminar: Ich habe zum Thema „Wie wir in Zukunft Jugendarbeit machen (müssen)“ ein Seminar angeboten, zu dem gut 400-450 Leute da waren. Den Teilnehmenden und denen, die sich an der Umfrage davor beteiligt haben, habe ich versprochen, dass ich das Skript und die PPT hier zum Download einstellen werde. Das werde ich auch machen und noch den ein oder anderen Link dazu packen. Wenn du jetzt hier reinklickst und noch nichts findest: Bis Freitag werde ich es einstellen – versprochen! Habe mal für die dran einen Artikel geschrieben, der in ne ähnliche Richtung geht. Als Appetitanreger kann man den hier auf dem blog lesen.