Mittwoch, 9. September 2009

Wahrheit und Methode


Melli liest gerade immer wieder mal in dem Buch Wahrheit und Methode von H.G. Gadamer. Seine These ist, dass die Methode, die benutzt wird, um Wissen und/ oder Wahrheit zu erforschen, das Ergebnis dieses Forschens immer mitbestimmt. Das Vorverständnis von Begriffen und Sinnzusammenhängen beeinflußt die Art und Weise, wie gefragt und geforscht wird und damit auch die Ergebnisse. Vorverständnis und neue Forschungsergebnisse bilden dabei eine hermeneutischen Zirkel, in dem die neuen Forschungsergebnisse das Vorverständnis für das weitere Forschen bilden.
Diese Sache ist einigermaßen einleuchtend und auch nicht mehr so neu. Dennoch wirft sie ein anderes Licht auf den Begriff der Wahrheit und zwar so, dass klar wird, dass jede "Wahrheit" einen gewissen Anteil an Konstruktion, Kontextualität oder eben Realtivität besitzt.

Von diesem Gedanken ausgehend kann man weitere interessante Begriffspaare bilden:

Wahrheit und Staat

Wahrheit und Kirche

Wahrheit und Institution

Wahrheit und Macht

Wahrheit und Geld

Wahrheit und Armut

Wahrheit und Gerechtigkeit

Wahrheit und Politik

Wahrheit und Wahlkampf

Wahrheit und Liebe

Wahrheit und Freiheit

Wahrheit und und und und ...


Hier ließen sich jede Menge interessante Gespräche anfangen ...

Dienstag, 7. April 2009

Die Seligpreisungen nach PoMo

Letztes Wochenende war Kirche 21 und es gab sehr viele gute Inputs. Allerdings gab es auch manches, das etwas iritiert oder überfordert hat. Manche/r war teils eher verwirrter als schlauer. Dies kann ein sehr fruchtbarer Zustand sein! Daher: Die Seligpreisungen nach PoMo ...


Selig sind die Zweifelnden, die nicht aufgegeben haben, zu fragen. Sie werden Wege ebnen, die sie jetzt noch nicht sehen. Auf diesen Wegen werden andere befreit voran gehen.

Selig sind die immer zu Schnellen. Ihnen werden in Zukunft die Geschichte und ein gebührendes Andenken gehören.

Selig sind die, denen vorgeworfen wird, dass sie zu viel wollen. Sie werden mehr erreichen, als sie sich erträumen.

Selig sind die, die aussteigen, um ihre Seele zu schützen. Ihre Herzen werden einen Schatz der Weisheit und Güte bergen.

Selig sind die, die nicht alles mitmachen. Die Kraft, die ihr Widerstand kostet, wird andere stark machen.

Selig sind die, die keine Angst vor Veränderung haben. Man wird sie kritisieren, verspotten und nicht verstehen. Es wird nicht lange dauern, bis man sie bewundern und um Rat fragen wird.


Selig sind die Verletzten. Sie gewinnen ein tieferes Verständnis vom Leben und aus ihren Verwundungen wird die Hilfe, die andere dringend benötigen.

Selig sind die, die Gott nicht mehr verstehen. In ihrem Ringen mit Gott werden sie neue und frische Einsichten geschenkt bekommen.

Selig sind die, die die Welt nicht mehr verstehen. Sie werden ein Leben finden, das jenseits der ausgetretenen Wege stattfindet und andere inspiriert.

Selig sind die, die sich selbst nicht mehr verstehen. Es sind meistens die Weisen, die über sich selbst lachen können.

Selig sind die Verwirrten. Aus ihrer Verwirrung werden die Brücken in die Zukunft entstehen.